«

»

Mai 07

Colorado Marathon

Es wird mal wieder Zeit für einen Bericht, diesmal hatte ich Glück im Unglück und durfte den Colorado Marathon laufen. Glück im Unglück bedeutet, ich konnte wegen der Verlängerung meines Einsatzes in Colorado nicht an meinem geliebten Hamburg Marathon teilnehmen, auch Hannover fiel flach für mich. Ich hatte vom Colorado Marathon gehört, die Anmeldung war allerdings seit Dezember beendet. Meinem Kunden ist aber gelungen, mir einen Startplatz zu ergattern, er muss allerdings als Sponsor für den nächsten Lauf ran, an dieser Stelle, thank you Yosi !!! Irgendwie konnte ich es gar nicht glauben, aber es wurde wahr…
Am Freitag fuhr ich zur Messe und holte mir meine Startnummer, kaufte auch noch das nötigste ein, was man so braucht für einen langen Lauf. Das Wichtigste waren die Kompressionssocken und eine kurze Tight, das sollte reichen. Das Ganze mit der Startnummernausgabe usw. fand in einem Hilton Hotel statt, etwas kleiner als man es sonst von einer Messe kennt, aber es gab alles. Der schwarze Jeep ist übrigens mein Auto…

Der Weg zur Startnummernausgabe war so niedlich beschildert, ich musste einfach Bilder davon machen. Dann konnte ich die Startnummer in meinen Händen halten, unglaublich…

Mein Training hatte sehr gelitten, die letzten 3 Wochen hatte ich es auf durchschnittlich 17 km pro Woche gebracht auf ganze 4 Läufe verteilt. Das ist natürlich sehr wenig und ich hatte richtig Angst, zu versagen. Es ging allerdings nur flussabwärts und das gab mir die nötige Hoffnung, es bis zum Ende zu schaffen. Die Startzeit war alles andere als freundlich für mich, Aufstehen um 3:30 Uhr, der Bus fuhr ab 4:00 Uhr zum Start, Ankunft um 5:30 Uhr, der Startschuß fiel um 6:15 Uhr. Auf der Fahrt habe ich nichts gesehen, es war stockfinster, ich dachte nur, das alles muss ich wieder zurück laufen, die Busfahrt kam mir unendlich vor. Es war bitterkalt am Start, sämtliche Teilnehmer haben nur so gezittert. Da wir einen Canyon durchlaufen sollten, gab es auch erst sehr spät Sonne, ich habe noch nie so gefroren, aber kein Wunder bei einer Höhe von fast 2000 m.


Der Start wurde eingeläutet und die Sonne war in den Bergspitzen zu sehen, endlich… Einen solchen Lauf hatte ich noch nie erlebt, du bist ganz allein in der Natur, nur du und 1000 Läufer(innen) Ich hielt ab und zu an und machte ein paar Bilder, das hätte ich ewig machen können, hatte mir aber überlegt, das Ganze später noch mal mit Google Street View anzusehen.


Nach ca. der Hälfte verließen wir den Canyon und es ging eine Zeit lang über Straßen, später dann durch einige Parks weiter zum Ziel. Das Laufen fiel mir ab der Hälfte schon schwerer, aber ich wollte da durch, also weiter und Zähne zusammen beißen. Bei der kleinsten Steigung stieg auch der Puls, er schwankte zwischen 140 hf und 170 hf, die Luft ist einfach sehr dünn in den Bergen. Nun gab es auch keinen Schutz mehr vor der Sonne, meine Sonnencreme hatte ich vorsorglich im Auto vergessen, wodurch ich mir mal wieder (wie immer) einen Sonnenbrand eingehandelt habe.

Zum Bilder machen hatte ich absolut keine Lust mehr, nun wollte ich nur noch ins Ziel. Die letzten Kilometer zogen sich wieder nur so in die Länge, am schlimmsten waren die letzten 3 Kilometer. Ich wollte aber mein Tempo nicht drosseln und versuchen, den 6er Schnitt zu halten. Es gelang mir auch, allerdings war der Puls nun auf ebener Strecke schon bei 162 hf. Egal, noch ein kleines Stück, dann ist es geschafft, dachte ich und quälte mich weiter vorwärts. Vom Ziel war weit und breit nichts zu sehen, ab und zu mal ein paar Zuschauer, kaum der Rede wert. Es ging bis zum Schluss durch Parks, dann auf einmal war es vor mir, endlich… Der Zieleinlauf war schön, so wie man es kennt, links und rechts Absperrungen und endlich mal Zuschauer. Die Stimmung war hier super, jeder Finisher wurde angesagt. Noch mal alles gegeben und dann war es geschafft, laut Marathonuhr mit einer Bruttozeit von 4:20:32 über die Linie. Die Medaille entgegen genommen, noch schnell ein Foto machen lassen und in aller Ruhe noch eine halbe Stunde zugesehen, wie die nachfolgenden Finisher einlaufen.
Fazit: Es war der landschaftlich schönste Lauf meines Lebens, ich hatte das wenigste Training vor einem Marathon, die Höhenluft ist sehr dünn, hatte die grösste Angst zu versagen. Es war trotzdem eine tolle Entschädigung für meine verpassten Läufe in Hamburg und Hannover. Laut Veranstalter war ich die zweite Hälfte nur 47 Sekunden langsamer, was ebenfalls ein neuer Rekord für mich ist…

Die Strecken: Google Maps Google Earth